Apotipp       Ein lebenslanger Aufbau der Knochen- CALCIUM

Der Name „Calcium“ leitet sich vom lateinischen Wort „calx“ (Kalkstein) ab.

Um 1755 beschrieb der Schotte Joseph Black erstmals Calcium- und Magnesiumsalze. Calcium ist ein weiches, silbrig-weißes Metall. In der Erdkruste kommt Calcium in verschiedenen Verbindungen in großen Mengen vor. Es ist nach Eisen und Aluminium das dritthäufigste Element. Ca gehört zu den Erdalkalimetallen und hat die Nr. 20 im Periodensystem. Wie die anderen Elemente seiner Gruppe nimmt es aufgrund seiner Elektronenkonfiguration nur die Oxidationsstufe +2 ein. Die wichtigsten Calcium-Verbindungen sind: Calciumcarbonat, Calciumoxid, Calciumhydroxid, Calciumchlorid, Calciumfluorid, Calciumcarbid und Calciumsulfat.

Ein Erwachsener hat ca. 1,5 kg Calcium in sich, 99% davon sind in seinen 206 Knochen gespeichert.

Calcium hat in unserem Organismus viele Aufgaben:
Bildung der Knochen, Zähne und Nägel
Steuerung der Erregbarkeit der Nerven und Muskeln
Regulierung des Herzrhythmus
Stoffwechselvorgänge in den Zellen; viele Enzyme benötigen Ca;  reguliert Wasser und Elektrolythaushalt
Blutgerinnung

Da Ca viele Funktionen hat, muss seine Konzentration im Blut genau reguliert werden. Der Regulator dafür ist das Pararthormon, das in den vier kleinen Nebenschilddrüsen gebildet wird und schon wenige Minuten nach einer zu geringen Ca- Konzentration ins Blut ausgeschüttet wird. Das bewirkt, dass Ca aus dem Knochen geholt wird, weniger Ca ausgeschieden wird, aber mehr aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Ist zu viel Calcium im Blut, wird Ca im Knochen abgelagert, mehr ausgeschieden, weniger aufgenommen.

Vitamin D³ (Colecalciferol) ist notwendig, damit die Calciumresorption aus dem Darm stattfinden kann. Es steigert auch die Einlagerung von Ca in den Knochen.

Calciummangel - Hypocalcämie

Leichte Ca- Mängel werden meist nicht bemerkt.

Eine deutliche Verminderung führt zu einer höheren Erregbarkeit der Nerven und Muskeln: Kribbeln, Ameisenlaufen, später Krämpfe… Ein Ca- Mangel kann Osteoporose, Rachitis, schlechte Zähne, Parodontose, brüchige Nägel…auslösen. Wachstumsstörungen bei Kindern, Hypertonie und Rhythmusstörungen sind die Folgen eines längeren Ca- Mangels.

Ursachen für einen Mangel:

Langandauernde Verdauungsstörungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa), Lactasemangel, Darmoperationen, Pankreatits. Auch bei „darmgesunden Menschen“ wird aus dem Dünndarm nur 40% des mit der Nahrung aufgenommen Ca resorbiert.
Vitamin D³ Mangel, wenn zu wenig Vit. D in der Nahrung enthalten ist, nicht genug Sonnenlicht die Haut zur körpereigenen Produktion anregt oder bei Leber- oder Nierenschäden.
Störung der Parathormonwirkung z. B. bei Schilddrüsenoperationen, Autoimmunerkrankungen
Tumor- , Nierenerkrankungen
Phosphatüberschuss, oxalatreiche Nahrung,
Medikamente: Schleifendiuretika, Antazida, Abführmittel, Schilddrüsenhormone, Cortison
Östrogenmangel
Nebennierenrindenüberfunktion (Morbus Cushing)

Substitutionstherapie

die derzeitige Empfehlung des Calciumbedarfes: Kinder bis 800mg Ca täglich, Jugendliche bis 1300mg Ca, Erwachsene 1000mg Ca täglich, ab 50 Jahren etwas mehr, speziell ab der Menopause immer mit Vitamin D³ Zusatz! Calciumpräparate:  Calciumcarbonat enthält rund 40 % Calcium, Calciumgluconat nur 9 % Ca. Deshalb muss bei der Beratung immer genau der Ca-Gehalt ermittelt werden, um beispielsweise 500 mg Calcium zu erhalten. Andererseits haben Gluconat, Lactat oder Citrat eine höhere Bioverfügbarkeit.
Intravenöse Ca- Injektionen können gefährlich sein, weil bei einer rasch erhöhten Konzentration am Herz toxische Symptome auftreten können. Gluconatsalze, die auch i.m. gegeben werden können, sind viel schonender.

Calciumüberschuss - Hypercalcämie

Müdigkeit, Schwäche, Depressionen, Übelkeit, Verlangsamen des Herzrhythmus, Steinbildungen, Verkalkungen der Blutgefäße, Haut und innerer Organe… Bei einem noch höheren Blutspiegel kann sogar Koma und Herzstillstand auftreten.

Ursachen für einen Überschuss

Tumorerkrankungen der Knochen
Überfunktion der Nebenschilddrüsen, meist durch einen gutartigen Tumor ausgelöst, sodass zuviel Pararthormon gebildet wird.
Nebennierenrindenunterfunktion (Morbus Addison) oder eine Tumorerkrankung der Nebennieren
Schilddrüsenüberfunktion
Nebenwirkung bestimmter Medikamente: z.B. Cortison
Bei Jugendlichen, die lange bettlägerig sind, kann sich der Knochen abbauen, sodass viel Calcium frei wird
Vitamin A- oder Vitamin D- Überdosierung

Therapie

Hemmung der Osteoklastenaktivität, sodass weniger Calciumsalze aus dem Knochen freigesetzt werden.
     Calcitonin
     Glucocorticoide
     Biphosphonate
Citrat als Infusion kann Calcium- Komplexe bilden und die Plasma- Calcium Konzentration senken.

TIPPS

Ein Erwachsener benötigt etwa 1 g Calcium, Schwangere 1,5 g während der Stillzeit sogar 2 g!
Schwangere sollten ihren vermehrten Stoffwechsel ausnützen und mit einem Calciumpräparat die Calciumspeicher auffüllen. Eine ausreichende Vit D³ Einnahme am Ende der Schwangerschaft fördert eine bessere Knochenmineralisation des Kindes. Allerdings – Vorsicht: Es darf die Tagesdosis von VitD³ mit 600IE nicht überschritten werden, damit es zu keinen kindlichen Missbildungen kommt!
Bis zum 35. Lebensjahr werden die Knochen aufgebaut, wenn genügend Calcium vorhanden ist. Deshalb sollten einmal jährlich die Speicher mit Calciumpräparaten aufgefüllt werden.
Calciumhaltige Lebensmittel: Milch, Milchprodukte (besonders Emmentaler-, Gouda-, Edamer Käse, Joghurt), Grünes Gemüse (Brokkoli, Lauch, Kohl…), Eigelb, Schalentiere, Sojabohnen, Nüsse und Mineralwasser mit mehr als 150 mg/l. Hartes Trinkwasser hat auch eine ergänzende Wirkung auf den Ca-Stoffwechsel.
Eine Aufteilung von Ca- haltigen Lebensmitteln über den ganzen Tag ist sinnvoll, aber eine abendliche Calciumzufuhr wird besonders gut in den Knochen aufgenommen.
Fettarme Milchprodukte haben nicht nur den Vorteil, dass sie kalorienärmer sind, sondern sie haben prozentmäßig auch einen höheren Calciumanteil.
Durch die Ernährung kann keine Ca-Überdosierung auftreten, dazu gibt es Regelmechanismen im Körper.
Calciumreiche Ernährung führt nicht zu Nieren- oder Gallensteinen. Bis zu einer Aufnahme von 2.000 mg täglich scheidet eine gesunde Niere problemlos gelöstes Ca aus.
Calciumräuber: Alkohol schwemmt Calcium aus dem Körper.
Calcium-bindende Stoffe wie Phosphat (in Cola und Limonaden, Wurst, Konservierungsstoffen von Konserven) Oxalsäure (Oxalsäure-haltige Gemüse: Spinat, Rhabarber) oder Phytin (in Weizenkleie und Vollkornprodukten) erhöhen den Verlust über den Stuhl (als unlösliche Calciumverbindungen).
Coffein und eine hohe Eiweißzufuhr steigern die Calcium-Ausscheidung über die Niere.
Stress baut die Kalkdepots ab!
Ferner sind strenge Vegetarier oft von einem Ca- Mangel betroffen.
Kindern, die wegen einer Laktoseunverträglichkeit wenige Milchprodukte essen können, sollten Ca- Tabletten gegeben werden. Z.B. Kids Calcium. Je mehr Knochenmasse in der Kindheit durch Calciumreiche Ernährung und Bewegung aufgebaut wird, umso geringer ist das Risiko, im Alter an Osteoporose zu erkranken.
Ältere Menschen sollten genügend Calcium zu sich nehmen, nicht nur wegen der Knochendichte, sondern vor allem, um Muskelkrämpfe und Tetanien zu verhindern und so die Sturzgefahr zu verringern. Außerdem sinkt mit zunehmendem Alter die Calciumresorption aus dem Darm.
Zur Knochenbildung wird nicht nur Calcium benötigt, sondern auch Magnesium, Phosphor und Mangan.
Schüssler Salz Nr.1: Calcium fluoratum härtet den Knochen, den Zahnschmelz und die Fingernägel.
Schüssler Salz Nr.2: Calcium phosphoricum baut den Knochen auf, wirkt gegen Wachstumsschmerzen bei Kindern.
Vitamin D³ -reiche Lebensmittel: Innereien, Fisch, Lebertran, Eier, Pilze, Milchprodukte...
Glucocorticoide, die Rheumapatienten längere Zeit einnehmen müssen, wirken antagonistisch auf Vitamin D³ und vermindern so die Ca- Resorption.
Calcium-Wechselwirkung mit anderen Medikamenten: Eisen, Biphosphonate, Gyrasehemmer, Ketoconazol…eine zeitversetzte Einnahme sollte eingehalten werden! Jeder „Fosamax®-“ und „Actonel® -Patient“ sollte das beachten!
Calcium wirkt antihistaminisch, da es die Plasmamembran stabilisiert. Dadurch werden allergische Reaktionen unterdrückt. Zur Vorbeugung einer Sonnenallergie kann zwei Wochen vor Urlaubsbeginn mit einer Ca- Prophylaxe begonnen werden.
Regelmäßige Bewegung aktiviert die Ca- Verwertung im Knochengewebe und baut so Knochenmasse auf!
Höhere Dosen führen eventuell zu Durchfall oder auch Verstopfung oder anderen gastrointestinalen Beschwerden.
Nur durch Anwesenheit von Calciumionen kann eine Nervenreizübertragung am Herz, in den Blutgefäßen, in der Muskulatur durch Adrenalin und Vasopressin erfolgen. Blutdrucksteigerung, Erhöhung der Herzfrequenz, Muskelkontraktion sind die Folge. „Calcium – Antagonisten“ sind Substanzen, die den Durchtritt von Ca durch die Calciumkanäle am Herzmuskel und der glatten Gefäßmuskulatur verhindern, sodass eine Vasodilatation und Blutdrucksenkung die Folgen sind. Am Herz nimmt die Herzfrequenz ab und Angina pectoris - Anfälle werden vermindert. Calcium –Antagonisten haben keinen Einfluss auf den sonstigen Calciumhaushalt! 

Erinnern sie sich immer wieder die Calcium- Speicher aufzufüllen, weil die meisten Menschen unterversorgt an Calcium sind!

                       Mag. pharm. Eva Fellner                 Logo Stadtapotheke Klosterneuburg