APOTIPP OBSTIPATION- Ein häufiges Problem unserer Gesellschaft
Unsere
heutige Ernährung ist sehr nahrhaft - häufig aber so verändert, dass viele
wichtige Inhaltsstoffe verloren gehen. Vitamin-, Mineralstoff- oder
Ballaststoffmangel oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr sind verantwortlich für
verschiedene Krankheiten, z.B.: die Verstopfung - Obstipation. Dabei stehen im
Vordergrund oft subjektive Beschwerden wie Völlegefühl, Aufgetriebensein,
Schmerzen, starkes Pressen…
Eine
länger dauernde Verstopfung sollte immer ernst genommen werden, da sie Symptom
vieler organischer Erkrankungen sein kann.
Der
Verdauungstrakt ist beim Erwachsenen etwa 8-10 Meter lang.
Nach
dem Schlucken bleibt die Nahrung einige Stunden im Magen und im Dünndarm, aber
im Dickdarm (Colon) bis zu 60 Stunden. Restflüssigkeit sowie die letzten Nährstoffe
und Elektrolyte werden dem Darminhalt entzogen und eingedickt. Wenn der Enddarm
ausreichend gefüllt ist, wird ein Dehnungsreiz ausgelöst und es entsteht das
Gefühl des Stuhldranges, sodass es zu einer willentlichen Darmentleerung kommt.
Die Darmperistaltik, am stärksten von 5-7 Uhr morgens, wird durch den
Parasympatikus gesteuert, sie kann deshalb reflektorisch konditioniert werden -
z.B. durch ein Glas warmen Wassers vor dem Frühstück.
Im
Colon wirken keine Verdauungssäfte mehr, sondern Bakterien verarbeiten den
Darminhalt.
Die
allgemeine DEFINITON der Obstipation: weniger als
drei Stühle pro Woche oder seltener als 1x alle drei Tage.
3.
anorektale Obstipation: strukturelle Veränderungen,
funktionelle Störungen
4.
Idiopathische Obstipation: diagnostisch keine
pathophysiologischen Ursachen erkennbar.
5.
Chronische Obstipation: länger als drei Monate
andauernd
Abführmittel
eignen sich nicht zur Gewichtsreduktion oder „Blutreinigung“!
Langsam wirkende Laxantien (Wirkungseintritt oft erst 24 Stunden
später): Füll- und Quellstoffe, Ballaststoffe: Weizenkleie, Leinsamen,
Flohsamen, immer mit viel Flüssigkeit einnehmen, sonst wird das Gegenteil
bewirkt!
Schnell wirkende Laxantien
(Wirkungseintritt in 5-8 Stunden): mobilitäts- und sekretions- beeinflussende
Substanzen: Hemmung der Wasserresorption aus dem Darmlumen und Förderung des
Wassereinstroms in das Darmlumen, sodass eine Erweichung und Vermehrung des
Darminhaltes erreicht wird. Nur kurzfristig verwenden, weil dem Körper Flüssigkeit
mit verschiedenen Salzen entzogen wird. Der Elektrolythaushalt kann gestört
werden (bei Missbrauch: Kaliummangel – Verringerung der Peristaltik bis zu
Herzrhythmusstörungen)!
1.
Anthrachinon
Derivate (Fol.Sennae, Cort.Frangulae, Rad.Rhei, Extr. Aloes): Schäden der
Darmwand bei längerer Anwendung möglich!
2.
Diphenolmethane
(Bisacodyl, Na-Picosulfat):
Aufweichung der Faeces auch durch Herabsetzung der Oberflächenspannung, die
Peristaltik wird angeregt.
3. Rizinusöl: verstärkt die Darmperistaltik durch Anregung des Gallenflusses.
Osmotisch
wirkende Laxantien:
bei einem gefüllten Enddarm wird Wasser zur Erweichung des Darminhaltes aus dem
Darmlumen gesaugt.
1.
salinische
Abführmittel: drastische Wirkung nach 2-5 Stunden (Glaubersalz, Bittersalz,
Klysmen)
2.
Zuckerderivate:
am Anfang Wirkung oft erst 72 Stunden später! (Lactulose, Lactose,) Da
Darmbakterien die Lactulose zuerst zu kurzkettigen Fettsäuren und Gas abbauen müssen,
sind Blähungen eine häufige Nebenwirkung. Bei Patienten mit einem langsamen
Transit (z.B. bei einer Opiattherapie) wird die Lactose zu früh im Darm
gespalten und ist dann im Rectum unwirksam.
3.
Polyethylenglycol
(PEG 3350 – 4000 z.B. Macrogol): schonend, kann auch für längere Zeit ohne
Gewöhnung eingenommen werden, da es zu keiner Elektrolytverschiebung im Körper
kommt. Die Flüssigkeit zur Volumenvergrößerung wird nämlich nur aus dem Darm
selber genommen! PEG kann nicht bakteriell gespalten werden, daher entsteht als
Nebenwirkung keine Gasentwicklung.
Rasch
wirkende Laxantien
(5-20 Minuten): Gasbildner:
rektale Entleerungshilfen: Mikroklist, Suppositorien
Einige
Zäpfchen entwickeln nach dem Einführen Gase, die den Stuhl erweichen.
Wasserentziehendes
Glycerol oder Seifen können auch einen Stuhlreflex auslösen.
Prelaxantien
sind „lösliche Ballaststoffe“ (Pektin, Inulin, Guar).
Sie werden von unserem Körper nicht verdaut, weil die Enzyme dafür fehlen. Sie
dienen aber den eigenen Darmbakterien als Nährstoffe. Diese bilden dadurch
vermehrt Milchsäure, sodass der p.H. Wert in den
sauren Bereich verschoben wird und das Wachstum von Bifidusbakterien
und Lactobazillen begünstigt wird, aber E.coli-
Keime zurückgedrängt werden. Eine gesunde Darmflora bewirkt eine beschleunigte
Transitzeit und eine erhöhte Stuhlfrequenz. (Laxasoft)
Bei Übelkeit,
Krämpfen, Blut oder Schleim im Toilettenpapier sollte unbedingt der Arzt
besucht werden!
TIPPS
Richtige
Ernährung mit viel Ballaststoffanteil aus Getreide, Obst und Gemüse.
Sauerkraut,
eingeweichte Feigen, Dörrzwetschken eignen sich am besten als Therapie.
Bei
einer ballaststoffreichen Nahrung muss aber mehr gekaut werden, damit schon in
Mund der Speichel zersetzend wirken kann und die Faserstoffe mit den anderen
Nahrungsbestandteilen gut durchmischt werden. Außerdem besteht eine
Nervenverbindung zwischen der Kaumuskulatur und der Darmmuskulatur.
Bei akuten Problemen sind
Ballaststoffe nicht empfehlenswert, weil die Wirkung zu spät einsetzt!
Es
gibt aber auch Patienten, bei denen sich durch erhöhte Zufuhr von Faserstoffen
die Beschwerden sogar verschlimmern, besonders dann, wenn die Transitzeit verlängert
ist.
Vermeiden
von Weißbrot, Kuchen, Zucker
Mindestens
2 Liter Wasser pro Tag trinken - hilft nicht nur einer regelmäßigen Verdauung!
Ein Glas mehr oder weniger hat aber keinen Einfluss auf eine Stuhlverstopfung,
weil im Verdauungstrakt täglich mehrere Liter - bis zu 10 Liter - Flüssigkeit
sezerniert und wieder resorbiert werden.
Warmes
Wasser regt den Darmreflex an, besonders nüchtern am Morgen.
Regelmäßige
Bewegung ist notwendig.
Auf
eine gesunde Darmflora achten.
Bauchmuskulatur
stärken! („sit – ups“)
Entspannungsübungen
helfen Stress auf der Toilette abzubauen.
Bei
schmerzhaftem Stuhlgang die Ursachen vom Arzt
untersuchenlassen.
Gute
Gedanken bei den Mahlzeiten und Konzentration auf das Essen fördern die
Verdauung.
Der
Darm ist trainierbar, sowohl positiv, als auch negativ.
Zu
einer bestimmten Tageszeit die Toilette besuchen.
Zeit
nehmen, wenn auch kein Drang da ist. Oft genügen 10 Minuten Ruhe.
Abführmittel bewirken keine
„Entgiftung“ des Körpers. Im Darm fallen keine giftigen Schlacken an, die
Leber – unser Entgiftungsorgan – muss diese Aufgabe schon vorher erfüllen.
Wenn
Dragees zum Abführen eingenommen werden, sollten sich diese erst im alkalischen
Milieu im Dickdarm auflösen, um dort die Wirkung entfalten zu können. Keine
Milch oder Säureblocker gleichzeitig einnehmen!
Abführmittel
nur kurze Zeit einnehmen!
Variieren
der verschiedenen Laxantien.
Individuelle Dosierungen sind
mit Tropfen oder Granulaten besser möglich, als mit fixen Dosen.
Jede
längerdauernde Laxantieneinnahme
führt zu einem Verlust von natürlichen gastrokolischen
Reflexen.
Häufiger Gebrauch kann auch
eine psychische Abhängigkeit hervorrufen mit dem zwanghaften Gefühl, dass ohne
Abführmittel der Stuhlgang nicht mehr funktionieren wird.
Es
sollten immer wieder „Auslassversuche“ eingeplant werden, um zu Überprüfen,
ob überhaupt eine Verstopfung noch besteht. Allerdings muss man dem Körper
dazu Zeit lassen. Abführmittel entfernen oft größere Mengen Faeces als ein
natürlicher Stuhlgang.
Glaubersalz oder Bittersalz
entleeren sehr drastisch den gesamten Darm, sie sollTen
nur zur Reinigung vor Darmuntersuchungen eingesetzt werden.
Keine
Mineralöle (wie Paraffin)einnehmen, weil sie sich im Darm anlagern und Fremdkörpergramulome
bilden können.
Biofeedbackmethoden bewähren
sich besonders bei einer Störung der Beckenbodenfunktion.
Nicht
mit engen Gürteln den Bauch einschnüren, Hosen auf der Hüfte tragen.
Schwangerschaft
In
der Schwangerschaft erhöht sich der Progesteronspiegel,
der auf alle Muskelgewebe leicht erschlaffend wirkt. Dadurch wird auch die
Darmmuskulatur gedehnt und die Peristaltik verlangsamt, eine Obstipation kann
die Folge sein.
Eine Nicht-Behandlung der Obstipation kann zu Komplikationen führen. Wenn ad
hoc eine Lebensumstellung nicht möglich ist, so sollte ein Laxans nur als kurze
Übergangslösung eingenommen werden.